MONOLOGE.

Gaya, mein Liebe

Mahmoud (arabisch)

Ich erinnere mich sehr genau daran, wie sie hiess: Gaya. Und als sie in unseren Kindergarten kam, war sie die Schönste. Und schon damals, als ich sechs Jahre alt war, habe ich sie geliebt. Ein Mädchen, so wie die Prinzessinnen aus den gezeichneten Trickfilmen, die zwischen den hässlichen Zwergen leben. Oder wie jene, die auf in Pferde verzauberte Mäuse steigt.

Gaya ist kein häufiger Name bei uns im Dorf. Aber es ist nicht der Name. Es ist etwas anderes. Es ist etwas, was mich bewogen hat, mir zu wünschen, schon ein Schüler der ersten Klasse zu sein, um mit ihr zusammen in die Schule gehen zu können. Und dass meine Mutter kommen wird, um uns beide abzuholen und ihre Mutter die Freundin meiner Mutter wird und uns erlaubt, eine Pyjamaparty zusammen zu machen. Und dass wir mit meinem Vater und ihrer Mutter und meiner Mutter auf dem Dach ein Feuer anzünden und gemeinsam grillieren können und dann, wenn wir das Alphabet lernen, wir die Aufgaben gemeinsam machen.

 

Aber nach einer Woche sagten die Eltern von Gaya der Kindergärtnerin, dass Gaya mit der

Sprache im Kindergarten nicht zurecht komme, obwohl sie wollten, dass sie gross wird und unsere Sprache lernt. Aber in ihrem zweiten Gedankengang haben sie gedacht, dass sie in ihrer natürlichen Umgebung aufwachsen soll.

Mit Radar-Ohren habe ich gelauscht und mir gesagt: die natürliche Umgebung? Moment, nein!

Es gibt hier keine natürliche Umgebung mehr. Moment, nein… gebt ihr eine Chance, gebt ihr eine Möglichkeit, vielleicht wird sie nach einer Woche und nach noch einer Woche meine Sprache lernen, ich werde ihr helfen, ich verspreche es, das ist alles, was ich für mich gesagt und gedacht habe. Denn es ist nicht angenehm auf dem Boden zu liegen und laut zu weinen.

 

Aber meine Gebete, dass sie bleiben kann, haben nicht geholfen. Am gleichen Tag hat man mir Gaya weggenommen.

 

Ich habe schon längst die erste Klasse hinter mir, aber immer noch suche ich Gaya. Schon 10 Jahre sind seit der ersten Klasse vergangen und ich denke immer noch an das schönste Mädchen im Kindergarten, das Mädchen, meine Sprache nicht sprach.

Text: Shredy Jabarin